Triff wichtige Entscheidungen auf Deinem Weg zur Selbständigkeit basierend auf dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung!

MutMacher Oliver | Werde, wer Du bist! | WendeMut

MutMacher Oliver

Als erfahrener Unternehmer und mit meinem fachlichen Knowhow als Bilanzbuchhalter unterstütze ich Dich bei der Umsetzung Deiner individuellen Ziele. Praxisnah und mit viel Humor lernst Du die Hürden der Bürokratie zu meistern und wichtige (steuer-) rechtliche Grundlagen für (zukünftige) digitale Nomaden zu berücksichtigen.

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Artikelreihe Teil 2/2

Angaben zur Gewinnermittlung

Unter dem 4. Punkt musst Du Dich für eine Art der Gewinnermittlung entscheiden. Hierbei ist die Auswahl zwischen der Einnahmeüberschussrechnung und dem Betriebsvermögensvergleich zu treffen. Die Regelungen für Land- und Forstwirtschaft sowie die Tonnagebesteuerung bei Handelsschiffen darfst Du an dieser Stelle wahrscheinlich vernachlässigen.

Die Einnahmenüberschussrechnung

Die Einnahmenüberschussrechnung (kurz EÜR) ist der einfachere Weg Deinen steuerlichen Gewinn zu ermitteln. Hierbei werden die Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt. Es funktioniert nach dem sogenannten Zuflussprinzip. Dies bedeutet, Geldeingänge und Geldabgänge werden im Zeitpunkt des Zahlungsflusses berücksichtigt. So versteuerst Du zum Beispiel einen Zahlungseingang nicht bereits zum Zeitpunkt der Rechnungsstellung, sondern erst bei Zahlungseingang auf Deinem Geschäftskonto. Gleiches gilt für Deine Eingangsrechnungen. Diese wirken sich steuerlich erst im Zeitpunkt des Liquiditätsabflusses (also bei Bezahlung) aus.

Außerdem wird der Grundsatz der periodengerechten Gewinnermittlung* eingeschränkt. Konkret bedeutet dies, Du musst keine Rechnungsabgrenzungsposten** oder Rückstellungen*** bilden. Die EÜR kann von fast allen Steuer- und Buchführungsprogrammen abgebildet werden. In der Praxis ist für eine EÜR sogar ein einfaches Tabellenkalkulationsprogramm ausreichend.

Keine Regel ohne Ausnahmen. Auch bei einer einfachen EÜR sind die Vorschriften über die Aufzeichnung und Abschreibung**** von abnutzbaren und nicht abnutzbaren Wirtschaftsgütern zu befolgen. Dies gilt auch für GWGs (geringwertige Wirtschaftsgüter)***** und die Bildung von Sammelposten******.

* Der Grundsatz der periodengerechten Gewinnermittlung ist in § 252 Absatz 1 Nr. 5 HGB geregelt: „Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahrs sind unabhängig von den Zeitpunkten der entsprechenden Zahlungen im Jahresabschluß zu berücksichtige“

** Die Vorschriften über die Bildung von Rechnungsabgrenzungsposten finden sich in § 250 HGB und § 5 Absatz 5 EStG

*** Vgl. § 249 HGB und R 5.7 EStR

**** Wichtige Regelungen zur steuerlichen Abschreibung finden sich in § 7 EStG Absatz 1 – 5

***** Die steuerlichen Vorschriften über die geringwertigen Wirtschaftsgüter sind in § 6 Absatz 2 EStG geregelt.

****** Informationen zu den Sammelposten befinden sich in § 6 Absatz 2a EStG

Wer darf eine EÜR erstellen?

Die vereinfachte Form der Gewinnermittlung nach § 4 Absatz 3 EStG steht allen Freiberuflern unabhängig von der Höhe ihrer Einnahmen und ihres Gewinns offen. Gewerbetreibende dürfen Ihren Gewinn nur mit der EÜR ermitteln, wenn Sie

  • keine Kapitalgesellschaft sind und

  • der Gewinn unter 60.000 € liegt und

  • der Umsatz unter 600.000 € liegt.

Solltest du diese Voraussetzungen nicht erfüllen, musst Du Deinen Gewinn mittels Betriebsvermögensvergleich (Bilanzierung) ermitteln.

Der Betriebsvermögensvergleich (Bilanzierung)

Der Betriebsvermögensvergleich ist für alle Kapitalgesellschaften und sonstige Gewerbetreibende vorgeschrieben die, die unter „Wer darf eine EÜR erstellen?“ genannten Größen überschreiten.

An dieser Stelle wird die Gewinnermittlung recht umfangreich.

  • Der Gewinn ist mittels Bilanzvergleich zu bestimmen

  • Die Bilanzierung erfordert die doppelte Buchführung

  • Der Erfolg ist periodengerecht zu ermitteln (Rechnungsabgrenzungsposten, Rückstellungen)

  • (erweiterte) Inventurpflichten

  • Regelungen über GWGs und Sammelposten bleiben bestehen.

Für den Betriebsvermögensvergleich sind also weiterführende Buchführungskenntnisse erforderlich. An dieser Stelle solltest Du also viel Zeit für die Einarbeitung einplanen. Zumal eine Standardsoftware in den meisten Fällen keinen Betriebsvermögensvergleich abbilden kann. Oder Du denkst über Outsourcing an einen erfahrenen Bilanzbuchhalter oder Steuerberater nach. Die ersten Schritte für Neulinge beim Thema Outsourcing erfährst Du im WendeModul „Outsourcing – Nicht nur für die Großen“. Dies wird jedoch Kosten in teilweise nicht unerheblicher Höhe nach sich ziehen.

MutMacher Oliver’s Tipp

Du solltest die Einnahmeüberschussrechnung, wenn möglich, dem Betriebsvermögensvergleich vorziehen.

Die Sache mit der Umsatzsteuer

Eine besondere Herausforderung für Unternehmer stellt oft die Thematik rund um die Umsatzsteuer dar. Im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ist der Umsatzsteuer das Kapitel 7 gewidmet. Die erste wichtige Entscheidung hast du im Punkt 7.3 „Kleinunternehmer-Regelung“ zu treffen.

Kleinunternehmer-Regelung

Wie der Name bereits vermuten lässt, stellt die Kleinunternehmer-Regelung eine Vereinfachung insbesondere für Kleinunternehmer dar. Klein bedeutet hierbei wirklich sehr klein. Denn diese Option steht Dir gemäß § 19 Absatz 1 UStG nur dann zur Verfügung, wenn Dein Umsatz im

  • vorangegangenen Kalenderjahr nicht 22.000 € überschritten haben und

  • im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht 50.000 € übersteigen werden.

Die Vereinfachung besteht darin, dass Du keine Umsatzsteuer-Voranmeldung an die Finanzverwaltung übermitteln musst. Auch darfst du Deine Rechnungen ohne den Ausweis von Umsatzsteuer erstellen. Der fehlende Steuerausweis wird dabei durch einen Hinweis auf die Kleinunternehmer-Regelung ersetzt. Dies führt dazu, dass Du Deine Leistungen gegenüber einem Endverbraucher (Privatkunden) sogar günstiger anbieten kannst. Ein Wechsel zur Regelbesteuerung* ist jederzeit möglich.

Dies mag zunächst als sehr vorteilhaft erscheinen. Jedoch sollest Du bei der Wahl zur Kleinunternehmer-Regelung auch die folgenden Punkte berücksichtigen.

* Regelversteuerung bezeichnet den Ausweis von Umsatzsteuer auf Rechnungen. Meist geht damit das Recht einher gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen zu dürfen.

  • Die vermeintlichen Preisvorteile gelten nur gegenüber Endverbrauchern (Privatkunden) und nicht bei Geschäftskunden.

  • Gezahlte Umsatzsteuer (Vorsteuer) wird Dir nicht mehr erstattet. Vielmehr erhöht es Deine Anschaffungskosten oder Deinen Aufwand.

  • Die Umsatzsteuervoranmeldung ist für Gründer im Gründungsjahr in der Regel nur noch vierteljährlich vorzunehmen.

  • Die Betragsgrenzen sind sehr eng gesetzt.

  • Der Hinweis auf die Kleinunternehmer-Regelung (z.B. durch einen Verweis auf § 19 (1) UStG) in Deinen Rechnungen/Angeboten kann eine negative Außenwirkung haben.

  • Ein Verzicht auf die Kleinunternehmer-Regelung bindet dich für mindestens fünf Kalenderjahre an Deine Entscheidung.

MutMacher Oliver’s Tipp

Wäge an dieser Stelle die Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander ab.

Soll-/Istversteuerung der Entgelte

Die nächste wichtige Entscheidung warten im Kapitel 7.8 auf Dich. Hier musst Du zwischen der Soll- und der Istversteuerung wählen. Dabei stellt die Sollversteuerung den Regelfall dar und die Istversteuerung eine kleine Erleichterung.

Sollversteuerung

Bei der Sollversteuerung spricht man auch von der Versteuerung nach vereinbarten Entgelten. Dies bedeutet konkret für Dich, dass Du bereits mit Ablauf des Voranmeldezeitraumes* die Umsatzsteuer aus Deinen Ausgangsrechnungen an die Finanzverwaltung abführen musst. Dies gilt auch für den Fall, wenn Du selbst noch keinen Zahlungseingang vorliegen hast. Du legst sozusagen die Umsatzsteuer für deine Kunden beim Finanzamt vor. Daher auch die Bezeichnung „nach vereinbarten Entgelten“.

Im Gegenzug darfst du Dir die Vorsteuer aus Deinen Eingangsrechnungen bereits vom Finanzamt erstatten lassen, wenn die Rechnung vorliegt. Eine Bezahlung ist hierfür nicht erforderlich.

* Die Regelungen zum Voranmeldezeitraum befinden sich in § 18 UStG. Im Gründungsjahr ist die Umsatzsteuervoranmeldung vierteljährlich zu übermitteln. Beträgt die Steuer für das vorangegangene Kalenderjahr mehr als 7.500 € verkürzt sich der Voranmeldezeitraum auf einen Monat.

Istversteuerung

Bei der Istversteuerung wiederum gilt das Zuflussprinzip. Die Umsatzsteuer aus Deinen Ausgangsrechnungen ist erst an das Finanzamt weiterzuleiten, wenn Du den Rechnungseingang auf Deinem Geschäftskonto verzeichnen kannst. Daher wird in diesem Fall von der Versteuerung nach „vereinnahmten Entgelten“ gesprochen. Das Zuflussprinzip gilt aber nicht nur bei Deinen Eingangsrechnungen. Hier hast Du die Möglichkeit (wie auch bei der Sollversteuerung ) weiterhin die Vorsteuer bei Rechnungsvorlage zu ziehen.

MutMacher Oliver’s Tipp

Die Istversteuerung ist aus liquiditätsgründen der Sollversteuerung vorzuziehen. Allerdings besteht diese Möglichkeit nur, sofern die Planumsätze für das aktuelle Kalenderjahr nicht 600.000 € übersteigen.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

Bei Punkt 7.9 besteht die Möglichkeit direkt eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-ID) zu beantragen. Diese wird für den innergemeinschaftlichen Waren- und Dienstleistungsverkehr benötigt. Innergemeinschaftlich bezieht sich hierbei auf alle Mitgliedsstaaten der EU ohne Deutschland.

Du benötigst keine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, wenn du

  • nur Geschäfte innerhalb Deutschlands tätigst (Leistender und Leistungsempfänger im Inland),

  • die Kleinunternehmer-Regelung nutzt oder

  • nur Geschäfte im Gemeinschaftsgebiet* mit Privatpersonen (B2C) tätigst.

* Eine Übersicht über das umsatzsteuerrechtliche Gemeinschaftsgebiet findet sich in Abschnitt 1.10 UStAE

Im innergemeinschaftlichen Waren- und Dienstleistungsverkehr kannst Du Dich durch die Angabe Deiner USt-ID als Unternehmer ausweisen. In diesem Fall musst Du Deine USt-ID auch in deinen Rechnungen angeben. Verfügst Du über keine USt-ID gehört an ihrer Stelle Deine Steuernummer in die Rechnung.

Olivers Tipp: Planst Du Umsätze mit Unternehmern aus dem übrigen Gemeinschaftsgebiet, dann solltest du die USt-ID gleich mitbeantragen. In allen anderen Fällen kann Sie auch später noch beantragt werden. An dieser Stelle ist das Bundeszentralamt für Steuern recht fix zu Gange.

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